Wenige Minuten Anstrengung in der Woche führen zum Traumkörper. Genau das versprechen immer mehr sogenannter EMS-Studios. Doch hält diese neue Trainingsform was sie verspricht? Wir haben die dir 9 wichtigsten Fakten rund um das EMS-Training zusammengestellt.

  • Wo liegt der Ursprung des EMS-Trainings?

Das Elektromyostimulationstraining (EMS-Training) hat seinen Ursprung im Bereich der Rehabilitation und wird in der Physiotherapie schon seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt. Mit Stromimpulsen werden einzelne Muskelgruppen angesprochen, um nach Verletzungen gezielt besser wieder aufgebaut zu werden.

  • Wie funktioniert EMS-Training?

Du trägst spezielle, mit Elektroden versehene Kleidung, welche elektrische Impulse zu bestimmten Muskelgruppen senden (Arme, Beine, Bauch, Rücken und Brust). Die Anspannung der gewünschten Muskelpartien wird für wenige Sekunden durch Stromimpulse unterstützt. Dann entspannst du für ein paar Sekunden, bevor die nächsten Impulse deine Muskulatur kontrahieren lassen. Die Stärke der Impulse reguliert ein ausgebildeter Trainer.

  • Was unterscheidet EMS-Training vom “normalen” Training?

Beim normalen Training wird der elektrische Impuls, der deine Muskeln anspannen lässt, von deinem Gehirn ausgelöst. Beim EMS-Training erfolgt dieser Impuls durch Strom von außen. Der Vorteil dabei: es können mehrere Muskelpartien gleichzeitig angespannt werden. Der Trainingsreiz ist dadurch deutlich höher als beim klassischen Krafttraining. Allerdings  merkt dein Körper nicht direkt, wenn du dir zuviel zumutest. Daher reguliert beim EMS-Training dein Trainer in Rücksprache mit dir durch die Stromimpulse, wie stark du belastet wirst. Definitiv ein Grund, sich das Personal ganz genau anzuschauen.

  • Wie lange und wie oft sollte ich EMS-Training pro Woche durchführen?

EMS-Experten empfehlen ein bis maximal zwei Einheiten pro Woche zu je 15 bis 20 Minuten. Häufigere EMS- Trainingsreize sind selbst bei Leistungssportlern nicht empfehlenswert, da die Erholung . deutlich länger dauert als beim normalen Training.

  • Wann  und warum kann ich EMS-Training ergänzend durchführen?

Ganz wichtig ist das Wort “ergänzend”. Das EMS-Training sollte immer nur ein zusätzliches Trainingsmittel sein. Neben der unbestrittenen Zeitkomponente sind nachgewiesene Effekte eines EMS-Trainings ein strafferes Bindegewebe und ein relativ schneller Zuwachs an Muskelmasse, vor allem bei Einsteigern. Außerdem können erfahrene und speziell ausgebildete Trainer EMS-Reize auch zur Linderung von Rückenschmerzen oder bei Beckenbodenproblematiken einsetzen.

  • Ist EMS-Training zum Abnehmen geeignet?

JEIN. Der Fokus vom EMS-Training liegt ganz klar auf deiner Muskulatur und je größer dein Muskelanteil ist, umso mehr Kalorien verbrennst du in Ruhe. Beim EMS-Training verbrennst du in wenig Zeit viele Kalorien (vorrangig Kohlenhydrate). Möchtest du Gewicht verlieren, sind eine gesunde Ernährung und ein regelmäßiges Ausdauertraining unerlässlich. Nur so bringst du deinen Körper dazu, seine Fettreserven anzuzapfen. EMS-Training kann also eine gute Ergänzung sein.

  • Verbessere ich meine Koordination mit EMS-Training?

Durch die eigentlich unnatürliche gleichzeitige Anspannung mehrerer Muskelpartien  wird deine Koordination beim EMS-Training kaum verbessert. Beim klassischen Training (egal, ob Kraft oder Ausdauer) passiert das vor allem bei freiem und funktionellem Training fast “automatisch”, indem du dich in sogenannten Muskelschlingen bewegst und deine Körperpositionen regelmäßig änderst (teilweise mehrmals pro Sekunde).

  • Ist Muskelkater ein gutes Zeichen für effektives EMS-Training?

Ganz klar NEIN. Muskelkater allein ist kein Indikator für ein effektives Training. Gerade beim EMS-Training kommt es häufig zum Muskelkater. Das kann aber auch daran liegen, dass die elektrischen Impulse Muskeln und Muskelfasern erreichen, die du mit deinem Gehirn gar nicht bewusst ansprechen kannst (weil du noch nicht genug trainiert bist). Daher ist es wichtig, unbedingt die empfohlenen Regenerationszeiten einzuhalten.

  • Bestehen gesundheitliche Risiken?

Da beim EMS-Training mit Strom gearbeitet wird, sind Epileptiker und Träger von Herzschrittmachern definitiv ausgeschlossen. Auch bei fiebrigen Erkältungen solltest du auf jegliches (!) Training verzichten. Bei falsch dosiertem oder zu häufigem Training können durch zu hohe Trainingsreize Nierenbeschwerden oder (teilweise mehrtägigen) Schwindelanfälle und Kopfschmerzen als Nebenwirkungen auftreten. Daher ist es besonders wichtig, ausreichend zu trinken, um die entstandenen Schadstoffe abzutransportieren. Willst du die Trainingsform ausprobieren, achte unbedingt auf gut geschultes Personal (z.B. erkennbar an einem speziellen TÜV-Siegel für EMS-Einrichtungen) und lass dir mögliche Risiken genau erläutern.

Dein Fazit

Das EMS-Training kann, gut durchgeführt und mit kompetenter Betreuung, definitiv eine effiziente Ergänzung zu klassischen Trainingsmethoden sein. Doch auch wenn es bereits viele Jahre im Profisport Verwendung findet, solltest du es mit Vorsicht genießen. Gerade für Einsteiger klingt es reizvoll, in nur 20 Minuten pro Woche ein klassisches Training von ein bis zwei Stunden zu ersetzen. Es sollte definitiv nicht die einzige Trainingsmethode sein, sondern ausschließlich ergänzend zum Ausdauer- und Kräftigungstraining durchgeführt werden.